"Georgischen Begegnungen" - Interview anlässlich der Ausstellung am 8. October 2018

 

 

Dr. Lisa Strassberger: Liebe Julia, eine Frage zur Entstehung der Collagen:

Was war dir bei der Komposition wichtig? Wie ließen sich Tradition und Moderne, der Blick von innen und der Blick von außen, die zusammenfügen?

 

Julia B. Nowikowa: Die Texte waren der Ausgangspunkt und die Hauptinspiration, auch die Fotos die mir von den Autoren zugeschickt wurden, waren sehr hilfreich, um meine Collagen zu vervollständigen. Worauf lenkte der einzelne Autor/In das Augenmerk, worauf achtete er/sie besonders. Das schärfte auch meinen Blick und lenkte meine Perspektive. Außerdem kenne ich Georgien mittlerweile recht gut, war da schon etliche Male und habe dann meinen Blickwinkel in das Gesamtergebnis einfließen lassen. Eine gewissen Durchlässigkeit bei der Entstehung der Bilder schien mir ausschlaggebend, denn es war für mich wichtig die Perspektiven und Schwerpunkte der Autoren im Mittelpunkt zu haben.

 

Dr. Lisa Strassberger: Haben die Persönlichkeiten der unterschiedlichen Autorinnen und Autoren bei der Gestaltung eine Rolle gespielt?

 

Wie bereits erwähnt habe ich versucht den Schwerpunkt darauf zu legen, was den Autoren und Autorinnen bei ihren Reisen wichtig erschien. Währen z:b Irma Taveldizes Text zugleich auch eine Art Reise in ihre Vergangenheit ist, bietet Volker Schmidt eine klare Reisereportage. Stephan Reich verarbeitet seine Reise in Versen und Lucy Fricke lässt viel Humor in ihre Beobachtungen einfließen - all das spielte eine enorme Rolle für die Entstehung der Collagen, ich habe versucht die Gefühle, die ich bei den einzelnen Texten hatte, in meine Arbeit zu transportieren. (Katja ist sehr sinnlich, poetisch…)

(Anna persöhnliches…)

 

 

Dr. Lisa Strassberger: Und eine zu Georgien: gibt es ein Motiv, eine Beobachtung, eine Farbe oder Erfahrung, die alle 19 Bilder zusammenhält?

Wie würdest du deinen Eindruck von Georgien charakterisieren? Was hat sich dir bei der Beschäftigung mit diesem Land besonders eingeprägt?

 

 

Julia B. Nowikowa: Georgien bietet grundsätzlich einen sehr dankbaren Ausgangspunkt für die Gestaltung, denn das Land ist ein extremer Mix aus Tradition und Moderne, aus Orient und Oksident, aus Vergangenem und Zukunftsorientiertem, aus Moderne und aus unberührten Landschaften. Aus Sinnlichkeit und etwas Rauem, aus Lebensfreude und Melancholie. Es sind stets Extreme, mit denen man zu tun hat, das Land ist kein Ort der Grau- biz Zwischentöne. Alles ist grell und mit vielen Emotionen geladen. Man muss, aber auch tiefer graben, um die Kultur wirklich zu verstehen. Hinter der Offenheit und der Lebensfreude versteckt sich manches an Abgründen und wirklich existenziellen Problemen. Vielleicht wäre das Gemeinsame an allen Bildern der Wunsch meinerseits mit den Klischees zu spielen und zugleich, aber auch etwas Wahrhaftes, etwas Ungeschöntes in die Collagen einzubringen. Ich wollte nicht nur „das sonnige Georgien“ darstellen und die damit einhergehenden Prototypen, sondern das Brüchige und das Sensible zeigen.

 

® Julia B. Nowikowa // All Rights Reserved

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    Julia B. Nowikowa

    Visual artist,

    Stage and costume designer,

    Illustrator

     Julia B. Nowikowa was born in St. Petersburg (Russia), studied in Hamburg (Germany) and lives in Berlin. She works as stage & costume designer for various opera-, musical-, modern dance & theatre companies. She also works as an illustrator for different publishing houses.

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